
04.05.2010 (hwr) - In der Politik ist es nicht anders als beim Fußball – das erlebten die etwa 1400 Besucher des Wahlkampfabends der CDU Mönchengladbach im Borussiapark hautnah. Der Spielführer ist zweifellos wichtig, aber wenn die Mannschaft gut besetzt ist und harmoniert, lässt sich ein Spiel auch dann gewinnen, wenn der Spielführer einmal kurzfristig ausfällt. So war auch die kurzfristige Absage von Bundeskanzlerin Angela Merkel kein Grund, auf die Veranstaltung zu verzichten, denn mit NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, seinem hessischen Amtskollegen Roland Koch sowie den beiden Mönchengladbacher CDU-Landtagsabgeordneten Norbert Post und Michael Schroeren stand eine Mannschaft auf der Bühne, die überzeugte und am Ende des Abends die Enttäuschung manchen Besuchers über das Fernbleiben der Bundeskanzlerin hatte vergessen lassen.
Kurzfristig umdisponiert
Vor allem Roland Koch war weit mehr als „Ersatz“ für Angela Merkel. Innerhalb weniger Stunden hatte sein Auftritt organisiert werden müssen, nachdem kurz vor Mittag aus Berlin der Anruf gekommen war, dass Sondersitzungen des Bundeskabinetts und anschließend der CDU/CSU-Bundestagsfraktion die Reise der Bundeskanzlerin nach Mönchengladbach unmöglich machten.
Koch disponierte kurzfristig seine Termine um und stellte sich dann als alles andere heraus als eine „Notlösung“. Er hatte sichtlich Spaß daran, auf diese Weise als bekennender Eintracht-Frankfurt-Fan zu einem Auftritt im Borussiapark zu kommen und streifte eine Dreiviertelstunde lang in freier Rede zahlreiche Politikfelder, beginnend mit der aktuellen Griechenland-Krise und dabei werbend für die Verpflichtung der Kanzlerin, in dieser schwierigen Situation für Deutschland in der Hauptstadt präsent sein zu müssen, ausführlich redend über Schul- und Bildungspolitik und endend mit der eindringlichen Warnung vor einem vielleicht möglichen rot-rot-grünen Bündnis in Nordrhein-Westfalen.
"Hier geht es um Macht"
„Glauben Sie es nicht, wenn Frau Kraft versucht, den Eindruck zu erwecken, dass eine Zusammenarbeit mit den Linken für sie kein Thema wäre. Hier geht es um Macht, und wenn sie die Chance bekommt, mit Hilfe der Linken an die Macht zu kommen, wird sie es tun“, rief Koch und erinnerte daran, dass wahrscheinlich kaum jemand mit solchen Versprechungen Erfahrungen gemacht habe wie die Hessen. Vier aufrechte Sozialdemokraten hätten seinerzeit das rot-rot-grüne Bündnis verhindert, weil sie sich im Gegensatz zur damaligen Spitzenkandidaten ihrer Partei daran gehalten hätten, nach der Wahl zu tun, was sie vor der Wahl versprochen hätten.
Nach dem fulminanten Auftritt des Amtskollegen schlug Jürgen Rüttgers eher die leisen und nachdenklichen Töne an, wollte die Zuhörer zum Nachdenken darüber bringen, welche negativen Folgen ein Regierungswechsel für Nordrhein-Westfalen haben würde. Dazu wies er - wie zuvor schon in einem Kurz-Interview die beiden Mönchengladbacher CDU-Kandidaten für die Landtagswahl – vor allem auf die Erfolge hin, die die von ihm geführte Landesregierung in den vergangenen fünf Jahren erzielt hat.
Keine Zeit für Experimente
„Wir haben zum Beispiel trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise eine viertel Million Arbeitslose weniger als vor fünf Jahren, und wir haben die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren verachtfacht“, sagte Rüttgers nicht ohne Stolz. Auf dem Weg, den die CDU nach der Landtagswahl 2005 nach 39 Jahren Rot-Grün in Nordrhein-Westfalen eingeschlagen habe, noch längst nicht alle Ziele erreicht, sagte der Ministerpräsident. „Deshalb müssen wir diesen Weg fortsetzen, geradlinig und konsequent. Jetzt ist keine Zeit für rot-rot-grüne Experimente.“